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 thomas kilpper – über seine arbeit




thomas kilpper - cv
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über die arbeiten

else gabriel – laudatio
(hap-grieshaber-preis, 2004)



english version

Ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit ist der Versuch, Raum anzueignen und zu öffnen für Kunstproduktion und -rezeption. Verschlossener Raum, leerstehender, toter... Raum. Es geht darum, in diese Räume einzugreifen, sie neu zu definieren. Zentraler Ausgangs- und Referenzpunkt ist dabei zumeist die konkrete Geschichte des jeweiligen Raumes und Ortes.


Bei don’t look back (1998) stand ich einem riesigen Raum und einer monströsen Geschichte gegenüber: das Camp King bei Frankfurt/Main wurde nach 1945 vom US-Geheimdienst zu Verhören von Nazi-Größen genutzt, hier wurde ausgesiebt, wer vor Gericht gestellt oder in amerikanische Dienste integriert wird. Im 2. Weltkrieg war der Ort das zentrale Gefangenenlager der NS-Luftwaffe, wo sämtliche abgeschossenen alliierten Piloten verhört wurden.
In der ehemaligen Basketballhalle habe ich 300qm Parkett zerschnitten und umgewandelt in einen Druckstock. Mittels Holzschnitt, habe ich mich in diesen Ort eingeschrieben und ihn quasi besetzt, um mich so seiner Geschichte anzunähern und in den Prozeß seiner Transformation - von militärischer Nutzung, Leerstand, zu Abriss, Neubau und ziviler Nutzung – zu intervenieren. Bildträger waren modernste Fasern und digital bearbeitete Poster aus der Werbung.


Bei happy together (1999-2002) war geplant, in den Zellentrakt des leerstehenden Männergefängnis Frankfurt-Preungesheim – ein extrem hermetischer, menschenfeindlicher Ort – massiv einzugreifen: Bilder in die Zellenwände und Stahltüren einzuschneiden, Bilder aus dem Kontext der Sozialgeschichte staatlichen Strafens. Eine Attacke gegen die Substanz des Gebäudes und damit die Institution selbst.
Im Außenraum sollte ein Textband - happy together - die Aufmerksamkeit auf diesen Ort lenken. Die Umsetzung des Projekts wurde vom Hessischen Justizministerium nicht genehmigt.


Wieder konfrontiert sowohl mit einer wechselhaften Geschichte des Ortes, als auch mit einem Parkettboden, entstand über einen Zeitraum von 12 Monaten im 10. Stock eines leerstehenden Büro Hochhauses im Zentrum von London The Ring (2000), ein zweiter extrem großer Holzschnitt. Im Laufe der Zeit erschienen mehr und mehr Porträts / Holzdrucke verschiedener Persönlichkeiten, die mit diesem Ort in Verbindung standen, auf der Fassade des Gebäudes, das dadurch zu neuem, rätselhaften Leben kam. Anwohner und Passanten fragten, was geht hier vor sich? Monate später, als vor Ort die Ausstellung durch die South London Gallery eröffnet wurde und der gesamte ca 450qm große Druck an der Fassade wehte, löste sich das Rätsel. Parallel zur Ausstellung und in Bezug zu dem Ort des künstlerischen Eingriffs wurden verschiedene Vorträge abgehalten (u.a. von Prof. Will Alsop, Architekt und Sandy Nairne, Tate Gallery)


Bei drowning hercules (2001), das in einem zum Abriss bestimmten Schwesternwohnheim des St. Thomas Hospital, entstand, richtete sich die Wirkung der Installation nach innen. Das im Gebäude verarbeitete Holz – Einbauschränke, Parkettboden, Türen – wurde abgeschlagen und daraus im Souterrain, dem ehemaligen Schwimmbad der Krankenschwestern ein Baum gebaut (ca 10x10x15m). Hier wurde das Holz noch einmal zurückgeführt in seine ursprüngliche Form, bevor der gesamte Komplex endgültig verschwand.


Bei making mice and rats artists (2002), war (in Zusammenarbeit mit Alex Hamilton) geplant, das leerstehende medizinische Forschungslabor (Turner Building) der Queen Mary Universität in London zu einem experimentellen Kunstlabor umzuwidmen. In einem architektonischen Ensemble aus der zurückgebliebenen Laboreinrichtung und präparierten Leinwänden / Bildträgern sollten Mäuse und Ratten so gehalten werden, daß sie die Bilder anfressen und damit zu Kunstwerken machen bzw. zu Künstlern werden. In Großbritanien gibt es breite Widerstände gegen jegliche Form von Tierversuchen. Darauf hat die Arbeit u.a. gezielt. Das Projekt konnte nicht realisiert werden.


Für September 2002 war ich eingeladen zu einer Ausstellung bei der Frankfurter Sparkasse. Dabei sollte ein Bienenvolk so im Ausstellungsraum installiert werden, daß die Bienen ins Freie fliegen, dort den Nektar holen und als Gold in die Bank bringen können. Der öffentliche Reichtum wird zu privatem, korrespondierend zur herrschenden Tendenz, den Öffentlichen Raum zunehmend für private (Wirtschafts-) Interessen zuzurichten.
- wer das geld hat, hat die macht! – sollte die Ausstellung heißen und sowohl ein öffentlich angeschlagenes Plakat, einen Katalog, als auch eine Diskussionsveranstaltung umfassen. Aufgrund meiner kritischen Recherche zur Geschichte der Bank wurde die Ausstellung kurzfristig abgesagt.


Bei rahere’s free guesthouse and interdisciplinary workshop (2003) war es eine letzte, vom 2.Weltkrieg herrührende, Brachfläche im Zentrum von London, die mein Interesse weckte. In Zusammenarbeit mit Jo Stockham, Dozentin am Royal College of Art war ein interdisziplinärer Workshop geplant. Ein provisorischer Klassenraum und ein Helter-Skelter Turm sollten unter meiner Anleitung mit Studenten der Medizinischen Hochschule (der das Gelände gehört), der Architecture Association und des Royal College of Art errichtet werden. Ausgangsmaterial sollte ein Berg ausrangierter Möbel der Hochschule sein. Das Curriculum sollte Dozenten verschiedener Disziplinen und überschneidende Themen (Medizin, Kunst, und Architektur) umfassen.


Bei fuck your landlord (2003) zog ich mit einer Minimal-Behausung auf Rädern durch die Straßen von London: explosionsartig steigende Mietkosten zwingen zu unorthodoxen Maßnahmen. Ein – gescheiterter - Feldversuch, im Öffentlichen Raum zu überleben. Es kam die Polizei und veranlasste, daß mein Vehikel von der Straße genommen wurde.


Im Sommer 2003 verbrachte ich 8 Wochen in den von Israel besetzten Gebieten, um in einem Workshop mit palästinensischen Jugendlichen eine Skulptur zu bauen und diese durch das Land zu ziehen.
Militärisch besetzter Raum ist geschlossener, toter Raum. Ausgangssperren, Reiseverbote, Kontrollen. Wo Öffentlicher Raum zur No-Go-Area wird, verkehrt er sich ins Gegenteil seiner eigentlichen Bestimmung, was einer Zivilgesellschaft auf lange Sicht das Rückgrad bricht.
Das Projekt Al Hissan – The Jenin Horse war der Versuch, wieder Spielräume für zivile / kulturelle Projekte im Öffentlichen Raum zu schaffen.
Für 2005 ist ein weiteres Projekt - lighter than air (Arbeitstitel) - in Palästina geplant, das die Macht und Kontrolle über den Luftraum befragen wird. Wer kontrolliert den Luftraum, wem gehört er? Ist der Luftraum offen für zivile / kulturelle Entwicklungen?





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